28. Februar 2014, Jakob-Kern-Haus, Militärpfarre Wien

Am 28. Februar 2014 fand die Auftaktveranstaltung im Jakob-Kern-Haus (Militärpfarre Wien) statt, wo der Hausherr, BV MilSup Dr. Harald Tripp, die Teilnehmer im historischen Ambiente des Ehrensaals begrüßte.

Die Rolle von Religionen in Gesellschaft und Politik ist aus Sicht von Msgr Petrus Bsteh vom Forum Weltreligionen nicht immer unproblematisch. Je mehr die Religionen vereinnahmt werden, desto konfliktträchtiger kann die Begegnung zwischen ihnen werden. Im ernsthaften Streben nach der Transzendenz bricht allerdings Kostbares auf. Gerade in der Verschiedenheit dieser Bestrebungen kommt der gemeinsame Grund zum Ausdruck. Nach dem Scheitern verschiedener ideologischer Versuche, eine Welt ohne Gott aufzubauen, stehen wir vor einer offenen Zukunft.

Das Institut für Religion und Frieden arbeitet zum ersten Mal bei einem größeren Projekt mit einer islamischen Institution zusammen, räumte Institutsleiter BV Dr. Werner Freistetter ein.


Der Erste Weltkrieg sei dafür ein interessantes Thema, weil Österreich-Ungarn mit einem großen islamischen Staat, dem Osmanischen Reich, verbündet war. Das Thema ist für die Militärseelsorge auch deshalb interessant, weil es damals neben einer katholischen, evangelischen, orthodoxen und jüdischen auch eine muslimische Militärseelsorge in der österreichischen Armee gab. Die Erinnerung an die Ereignisse soll dazu ermutigen, nach Wegen zur Vermeidung von Kriegen heute, nach Wegen in eine friedliche Zukunft für alle Menschen zu suchen.

Religionen seien dazu da, die Menschen glücklich zu machen, betonte Dr. Fuat Sanac, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Sie setzen sich dafür ein, dass die Menschen in Frieden zusammenleben. Leider werden Religionen immer wieder missbraucht. Es mache sehr traurig zu hören, dass Menschen im Namen der Religion getötet werden.

In Österreich ist der Islam seit 1912 als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt. 1979 wurde die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich gegründet. Heute leben zwischen 550000 und 600000 Muslime in Östereich. Es existieren 240 Moscheevereine und 535 Fachvereine, 66000 Schüler besuchen den islamischen Religionsunterricht, 570 islamische Religionslehrer unterrichten in 2000 öffentlichen Schulen. Sie werden heute in Österreich in einem Hochschulstudiengang ausgebildet. So soll ein einheitlicher Religionsunterricht gewährleistet werden. Weitere wichtige Ziele der Islamischen Glaubensgemeinschaft sind die Betonung des islamischen Wegs als Weg der Mitte und die Förderung der eigenen Identität als österreichische Muslime.

Eine Frucht der guten Zusammenarbeit mit dem österreichischen Staat, besonders Minister Sebastian Kurz, ist die Gründung eines Dialogforums, in dem die aktuellen Herausforderungen diskutiert werden: etwa eine gemeinsame Ausbildung der österreichischen Imame in Österreich und die Reform des 100 Jahre alten Islamgesetzes.

Die Integration der Muslime in Europa kann nicht nur Aufgabe der Politik sein. Zuerst müssen die Muslime selbst ihre Hausaufgaben machen: So hat die Islamische Glaubensgemeinschaft Frauenbeauftragte ausgewählt und Dialogbeauftragte ausgebildet. In den Gefängnissen und Krankenhäusern arbeiten bereits muslimische Seelsorger. Eine muslimische Militärseelsorge ist allerdings bisher noch nicht eingerichtet.

Die Muslime in Österreich agieren oft gemeinsam mit den anderen Religionsgemeinschaften, auch im Rahmen der Plattform der Kirchen und Religionsgesellschaften, die 2012 gegründet wurde und in deren Rahmen die Zusammenarbeit zwischen den anerkannten Religionsgemeinschaften noch verstärkt werden soll.

Achtung der Menschenrechte und Bewahrung der Schöpfung zählen zu den bedeutendsten Kriterien für ein Leben auf Gottes Weg. Alle seien aufgerufen, Brücken zu bauen. Den Menschen soll die Angst vor dem Anderen genommen und Vorurteile unterbunden werden. Von dem Schlagwort „Krieg der Zivilisationen“ hält der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich nichts. Die Zukunft ist offen, wichtig seien Respekt und Verständnis, der Abbau von Vorurteilen. Wir dürfen nicht in der Vergangenheit bleiben, sondern sollen von ihr lernen und mit Optimismus in die Zukunft sehen.

Christian Wagnsonner